Sansibar / Tansania: Mein ehrliches Fazit nach dem Overtourism-Boom

Aktualisiert: 17. Sept.
Als ich das erste Mal von Sansibar geträumt habe, ging es genau so, wie es fast immer geht: türkises Wasser, weisser Sand, Gewürzinseln, Sonnenuntergänge, die aussehen wie aus dem Reisekatalog. Und ja, das gibt es alles wirklich. Aber nachdem ich selbst dort war – erst auf Sansibar ein eine Tages-Safari nach Tansania – war meine Geschichte danach nicht mehr die Hochglanz-Version. Sie ist ehrlicher. Und ich glaube, genau die brauchst du, bevor du selbst buchst.

Safari zuerst, Strand danach – die klassische Kombination
Die meisten, die nach Tansania reisen, verbinden das Festland mit Sansibar: ein paar Tage Safari in der Serengeti oder im Ngorongoro-Krater, danach ein paar Tage am Strand, um das Erlebte sacken zu lassen. Genau das wollten wir eben nicht machen. Denn der Kontrast ist riesig – Staub, Weite und Wildtiere auf der einen Seite, Salzwasser und Stille auf der anderen. Es gibt mehrere tägliche Flugverbindungen zwischen Kilimanjaro, Dar es Salaam und Sansibar, die Logistik ist also unkomplizierter, als man erst denkt. Aber dafür ist umso der "Massentourismus" grösser dort. Wir haben uns daher entschieden erstmals nur nach Sansibar zu reisen, um die Insel zu erkundigen und von dort aus eine Tages-Safari in den Mikumi Nationalpark zu machen.
Der Norden von Sansibar: Traumstrand oder Ballermann?
Hier kommt der Teil, über den viele Reiseblogs lieber schweigen. Der Norden der Insel, rund um Nungwi und Kendwa, gilt als das Postkarten-Sansibar und genau deshalb ist er in den letzten Jahren regelrecht zugebaut worden. Riesige All-inclusive-Anlagen reihen sich aneinander, wo vor zehn Jahren noch ein ruhiger Fischerort war. Ich habe mit Leuten gesprochen, die Nungwi vor einer Dekade kannten, und sie waren selbst überrascht, wie dicht es mittlerweile bebaut ist. Das heisst nicht, dass es dort hässlich ist – die Strände sind nach wie vor spektakulär, die Sonnenuntergänge legendär. Aber "unberührte Trauminsel" ist der Norden längst nicht mehr. Ein paar Zahlen dazu, die mich selbst überrascht haben: Sansibar zählte 2022 über 736.755 Touristinnen und Touristen. Der Tourismus-Anteil an der Wirtschaftsleistung der Insel ist zwischen 2023 und 2024 um 15.4 % gestiegen. Das ist eine enorme Abhängigkeit von einer einzigen Branche und sie erklärt, warum an der Küste im Rekordtempo weitergebaut wird.

Der Osten: wo Sansibar noch nach Sansibar riecht
Was mich persönlich mehr überzeugt hat, war die Ostküste – Matemwe, Pongwe, Jambiani. Hier ist es spürbar ruhiger, die Unterkünfte sind kleiner und oft lokal geführt, und man merkt noch, warum sich Leute überhaupt in diese Insel verliebt haben. Es gibt da noch fast keine "Brunch-Restaurant oder Insta-Spots". Ein Punkt, den viele nicht wissen: An der Ostküste gibt es einen sehr ausgeprägten Tidenhub. Bei Ebbe zieht sich das Wasser teilweise über einen Kilometer zurück – wunderschön anzusehen, aber für spontanes Baden nicht immer praktisch. Das ist einer dieser Details, die man vorher wissen sollte, damit man nicht enttäuscht ist. Tagsüber muss man sich also eine andere Beschäftigung suchen als am Stand zu veweilen und zu baden. Ein echtes Vorzeigebeispiel ist Chumbe Island, ein kleines Naturschutzgebiet mit intaktem Korallenriff, das komplett über nachhaltigen Tourismus finanziert wird. Über 90 % des Personals stammt aus der Region, viele ehemalige Fischer arbeiten dort heute als Ranger oder Bootsführer, und die Einnahmen haben bereits über 12'000 Schul- und Gemeindebesuchen im Rahmen von Umweltbildungsprogrammen ermöglicht. Das ist für mich der Beweis, dass Tourismus auf Sansibar nicht zwangsläufig auf Kosten der Insel gehen muss – es kommt sehr darauf an, wo und bei wem du buchst.
Mein Geheimtipp: Eine Tages-Safari mit dem Mini-Flieger direkt ab Sansibar
Es gibt eine Variante, die ich persönlich sogar am meisten empfehlen würde, wenn deine Zeit oder dein Budget für eine mehrtägige Safari nicht reicht: einen Tagesausflug auf Safari, direkt ab Sansibar. Wir sind früh morgens gestartet, mit einem kleinen Propellerflugzeug vom Flughafen Sansibar aus in Richtung Mikumi-Nationalpark auf dem Festland – und sind tatsächlich mitten im Park gelandet. Dieser Moment, wenn die kleine Landepiste im Busch auftaucht und man aussteigt und in der Ferne schon die ersten Tiere sieht, ist für sich allein schon ein Erlebnis.
Die Organisation war beeindruckend durchgetaktet: Kaum gelandet, wurden alle auf die Safarifahrzeuge verteilt, und los ging die Fahrt – alles lief wie am Schnürchen. Ehrlich gesagt waren wir zu Beginn ziemlich nervös, denn schon nach kurzer Zeit ging es off-road, was eigentlich nicht überall erlaubt ist. Genau dadurch kamen wir aber Löwen auf etwa einen Meter nahe – unser Wagen hatte keine Fenster, nur offene Seiten. Ich geb's zu: In dem Moment war mir wirklich mulmig. Aber genau diese Nähe zur Wildnis macht den Tag so besonders.
An diesem einen Tag haben wir viele Löwen, Giraffen, Elefanten, Büffel, Nilpferde und unzählige weitere Tiere gesehen – gefühlt viel mehr, als wir erwartet hatten. Zwischendurch machten wir einen Stopp bei einer wunderschönen Lodge mitten im Nationalpark, zum Mittagessen und um kurz durchzuatmen, bevor es zurück zum Flieger und nach Sansibar ging.
Für mich ist das die perfekte Option, wenn dir die klassische Route "erst mehrtägige Safari, dann Sansibar" zu lang oder zu teuer ist. Ein einziger Tag reicht dafür wirklich aus. Preislich lagen wir bei rund CHF 400 pro Person. Für uns war das jeden Franken wert.
Mein Fazit: Lohnt sich Sansibar noch?
Ja – aber mit offenen Augen. Für mich bedeutet eine bewusste Sansibar-Reise:
Die Ostküste statt der überlaufenen Nordstrände wählen, wenn dir Ruhe und Authentizität wichtiger sind als die berühmteste Aussicht. Bewusst lokal geführte Unterkünfte statt internationale Ketten buchen – das Geld bleibt eher vor Ort. Chumbe Island oder ähnliche Projekte aktiv unterstützen, wenn du die Chance hast. Nebensaison statt Hochsaison in Betracht ziehen, wenn deine Reisedaten flexibel sind – weniger Andrang, oft bessere Preise. Und ganz grundsätzlich: die Insel nicht nur als Kulisse behandeln, sondern mit Respekt vor den Menschen, die dort leben.
Sansibar hat mich verzaubert – aber nicht der Instagram-Teil davon, sondern die Momente, in denen ich gemerkt habe, wie viel Insel es jenseits der Hochglanz-Resorts noch gibt. Wenn du eine Tansania- oder Sansibar-Reise planst und dir genau diese Balance zwischen Traumstrand und gutem Gewissen wichtig ist: Das ist genau die Art von Route, die ich mit dir zusammen ausarbeite.



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